Drucken

Stumvoll Salcher 20190226 MitUebersichtsdaten

 Die Salcher Rutschung befindet sich in der Gemeinde Gresten, Bezirk Scheibbs, Land Niederösterreich. Sie liegt auf einer unbewaldeten, von West nach Ost abfallenden Hangfläche (auf etwa 435 bis 470 m ü.NN./ Hangneigung zw. 5° bis max. 20°) und ist an drei Seiten anthropogen geprägt bzw. eingeschlossen (Straßen/ Häuser). Ebenso wie der Standort Hofermühle liegt die Salcher Rutschung in einer geologisch komplexen Zone im unmittelbaren Übergangsbereich von Flyschzone, Grestner Klippenzone und den Nördlichen Kalkalpen (Abbildung 13). Die tief verwitterten Gesteine dieses Gebietes und ihr hoher Anteil an Ton und seinen Verwitterungsprodukten sind mitunter die Hauptgründe für die Tatsache, dass dieses Gebiet eine der höchsten Rutschungsanfälligkeiten in Niederösterreich und in Österreich gesamt hat (siehe u.a. Gottschling 2006; Petschko et al. 2014).

Die Prozesse an der Salcher Rutschung sind als Rotationsrutschung zu klassifizieren, wobei mehr als eine Gleitfläche anzunehmen ist. Die rezent aktive Fläche umfasst ~ 4.000 m², die potentiell zu aktivierende Fläche ~ 20.000 m².

StumvollEtAl 2019 fig1

Abbildung 13: a) Lage des Studiengebietes im Westen Niederösterreichs, Bezirk Scheibbs. b) Verortung der Salcher Rutschung, Gemeinde Gresten; geologische Einbettung. c) Die Salcher Rutschung; aktiver Prozessbereich ca. 4.000m². (Zur Erstellung der Graphik verwendete Datensätze und Quellen: DEM (1m) 2009 und Orthophoto 2010: zur Verfügung gestellt vom Land Niederösterreich; geologische Karten: Schnabel et al. (2002) und Weber (1997); Kartierung an der Salcher Rutschung: Jochum et al. (2008)). Graphik aus Stumvoll et al. 2019.

 Schadensmeldungen durch Rutschungsaktivitäten an das Land Niederösterreich seit den 1970er Jahren des vergangenen Jahrhunderts (Schwenk 1976, 1979, 1992) führten zu Untersuchungen durch den Geologischen Dienst des Landes Niederösterreich (Schweigl 2007, 2008, 2013) sowie durch die Geologische Bundesanstalt (GBA) in Zusammenarbeit mit der Universität für Bodenkultur (BOKU) (Jochum et al. 2008).

Der entsprechende Hang wurde zwischen den 1950er und 1970er Jahren als Skipiste genutzt (Abbildung 14, links). 1975 wurde erstmal eine Rutschungsaktivität infolge der schweren Niederschläge zwischen dem 29. Juni und 3. Juli gemeldet. Eine Reaktivierung der Rutschung erfolgte durch Starkniederschläge vom 31. Mai 1978. Eine länger anhaltende Periode intensiven Niederschlags zwischen dem 1. und 7. August 2006 führte erneut zu einer verstärkten Rutschungstätigkeit. Detaillierte Untersuchungen durch den Geologischen Dienst des Landes Niederösterreich waren die Folge. Ein unregelmäßiges Bewegungsmonitoring wurde jedoch 2012 wieder eingestellt, nachdem seit 2009 die jährliche Bewegungsrate nur noch in der Größenordnung einiger Zentimeter lag.

Nach einer weiteren Reaktivierung im Jahr 2013 wurde der Entschluss gefasst, die Salcher Rutschung als eines der Hauptuntersuchungsgebiete für das NoeSLIDE Projekt heranzuziehen und über Jahre hinweg intensiv zu untersuchen. Dabei wurde auch für diesen Standort eine eigene Strom- und Breitband-Internetanbindung errichtet, um sämtliche automatisch erhobene Daten in Echtzeit an einen Datenserver nach Wien zu senden und hier auf der Homepage in Echtzeit verfügbar zu machen.

StumvollEtAl 2019 fig2

Abbildung 14: links) Historischer Blick auf die Salcher Rutschung (ca. 1950er Jahre; © Photographie: Marcel Mollik; rechts) Die Oberfläche der Salcher Rutschung 2007 und 2014 (© Photographien: Universität Wien (2007/ 2014)). Graphik aus Stumvoll et al. 2019.

Auf den den folgenden Seiten zum Untergrund- und Oberflächenmonitoring erfolgt eine Darstellung der in Gresten angewandten Monitoringinstrumentierung und ihrer Spezifikationen. Eine Kartenübersicht aller installierten Geräte befindet sich in Abbildung 14 (Stand 2018, Aktualisierung under construction).

StumvollEtAl 2019 fig5

Abbildung 15: Überblick zur Monitoring-Instrumentierung an der Salcher Rutschung (Zur Erstellung der Graphik verwendete Datensätze und Quellen: DEM (1m) 2009 und Orthophoto 2010: Zur Verfügung gestellt vom Land Niederösterreich; DEM (0.10m) 2014: Eigentum der Universität Wien; geomorphologische Kartierung Jochum et al. (2008). Graphik aus Stumvoll et al. 2019.

 

Literatur:

Die hier vorgestellten Ergebnisse zur Salcher Rutschung sind der Studie von Stumvoll et al. 2019 entnommen, an der eine Vielzahl an Personen mitgewirkt haben. Ein Großteil der gezeigten Graphiken sind ebenfalls der Studie entnommen.