Stumvoll 20190308 HfM MitUebersichtsdaten

Der Standort „Hofermühle“ liegt im hydrologischen Einzugsgebiet des Redtenbaches in Konradsheim, Stadt und Bezirk Waidhofen an der Ybbs, Land Niederösterreich. Ähnlich wie der Standort der Salcher Rutschung in Gresten befindet sich die Hofermühle in einer komplexen geologischen Übergangzone zwischen Kalkalpen (Oberostalpin) im Süden, Flysch Zone (Penninikum) und Helvetikum im Norden (siehe u.a. Ruttner & Schnabel 1988, Schnabel 1980 oder Schnabel 1999). Die Flyschzone weist, bedingt durch den hohen Anteil an tonig-mergeligem Material und dessen hohem Verwitterungsgrad die höchste Dichte an Rutschprozessen in Niederösterreich auf (Schwenk 1992, Schweigl & Hervas 2009, Petschko et al. 2014).

 

Abbildung 5: a) Verortung des NoeSLIDE Standortes Hofermühle in Österreich; b) Verortung des hydrologischen Einzugsgebietes des Hofermühlbaches im Einzugsgebiet des Redtenbaches; c) hydrologisches Einzugsgebiet des Hofermühlbaches. (DEM (10 m): BMDW 2017 (www.data.gv.at), Geologische Karte 1:500 000 nach Weber (1997), DEM (1 m) 2009 und Orthophoto 2011: Zur Verfügung gestellt vom Land Niederösterreich). Graphik: Stumvoll M.J. 2020.

Die Prozesse am Standort sind komplex; Bereiche mit sehr langsamen und flachen Rotations- und Translationsrutschungen stehen hier in Verbindung mit einem Wildbachsystem, durch das es auch zu schnelleren Prozessen wie Murgang kommen kann. Die ersten Rutschungs-Aktivitäten wurden Ende der 1970er auf der orographisch rechten Seite dokumentiert, Drainagierung und Aufforstung waren die Konsequenz. 2011 kam es zu Rutschprozessen auf der orographisch linken Seite und 2013 schließlich zu einem gekoppelten Murgangprozess entlang der Hofermühlbaches (Sausgruber 2013). In einem Gutachten der WLV aus dem Jahr 2016 wird der, von Rutschungsprozessen betroffene Bereich auf etwa 50.000m² geschätzt (Sausgruber 2016). Um der, durch eine erneute Aktivierung des Murkanals ausgehenden Gefahr für das anliegende Gehöft zuvorzukommen, errichtete die WLV 2018/2019 am Ausgang des Hofermühlbaches einen Ablenkdamm. Zudem wurde der aktive Rutschungsbereich im oberen Einzugsgebiet mittels oberflächlicher Gräben grob drainagiert (Dezember 2019).

Seit 2014 ist der Standort Hofermühle Teil des NoeSLIDE Monitoring Projektes und wird mit einer Vielzahl verschiedener Methoden und Techniken untersucht. Details dazu befinden sich in den beiden Unterreitern zu Untergrund- und Oberflächenmonitoring.

 

Literatur:

  • Ruttner, A. & W. Schnabel. 1988. Geologische Karte der Republik Österreich 1:50.000 Blatt 71 Ybbsitz. Wien: Geologische Bundesanstalt.
  • Sausgruber, T. 2013. Hofermühlrutschung Waidhofen/ Ybbs (intern). Mit zwei Anhängen (Kartierung). 12. Innsbruck, Austria: Forsttechnischer Dienst für Wildbach und Lawinenverbauung. Geologische Stelle. Innsbruck, Austria.
  • Sausgruber, T. 2016. Protokoll zum Lokalaugenschein Hangprozess Hofermühle / Hofermühlrutschung. Mit einem Anhang (Kartierung). 4. Innsbruck, Austria: Forsttechnischer Dienst für Wildbach und Lawinenverbauung. Geologische Stelle. Innsbruck, Austria
  • Schnabel, W. 1980. Die Geologie des Voralpengebietes im Abschnitt Waidhofen an der Ybbs - Ybbsitz - Gresten. In Waidhofner Heimatblätter, 13-27. Waidhofen, Ybbs: Musealverein Waidhofen an der Ybbs.
  • Schnabel, W. 1999. The Flysch Zone of the Eastern Alps. In FOREGS '99 <Vienna>, Field trip guide Vienna - Dachstein - Hallstatt - Salzkammergut (UNESCO World Heritage Area), August 30th - September 2nd, 1999: 150 Years Geological Survey of Austria, ed. G. W. Mandl, 27-35. Wien: Verlag der Geologischen Bundesanstalt (GBA).
  • Schweigl, J. & J. Hervás. 2009. Landslide Mapping in Austria. In Scientific and Technical Research series, 61. Joint Research Centre – Institute for Environment and Sustainability 
  • Schwenk, H. (1992) Massenbewegungen in Niederösterreich 1953 - 1990. Jahrbuch der Geologischen Bundesanstalt, 135, 597-660.
  • Stumvoll, M. J. & T. Glade. 2019. MillSLIDE - Monitoring der Hofermühle.- Interner Projektbericht für die Wildbach- und Lawinenverbauung, Forsttechnischer Dienst Niederösterreich West. 32. Wien: Universität Wien, Institut für Geographie und Regionalforschung.