Innerhalb der Klassifikation gravitativer Massenbewegungen nehmen Muren (engl. debris flow) eine Sonderstellung ein. Sie weisen einen weit höheren Wassergehalt auf und fließen als Lockergesteins-Wassergemisch mit i.d.R. höheren Geschwindigkeiten hangabwärts. Sie unterscheiden sich daher durch die zugrundeliegenden hydraulischen Fließgesetze von anderen Formen gravitativer Massenbewegungen (Glade & Dikau, 2001). Die Voraussetzungen für das Auftreten von Muren sind (nach Ahnert, 2009):

  1.  umfangreiche Akkumulation von Schutt mit hinreichend großem Anteil von Feinmaterial
  2. relativ seltene, stoßweise Zufuhr von Starkregen- oder Schneeschmelzwasser in Mengen, die groß genug sind, um die Porenräume der Schuttakkumulation zu füllen und positiven Porenwasserdruck zu verursachen
  3. ein ausreichend großes Gefälle
Murenbahnen liegen vorzugsweise in Tiefenlinien des Hangs, wobei sich am Hangfuß die Murenbewegung verlangsamt und sich zungenförmig ausbreitet, bis sie zum Stillstand kommt (Abb. 3). Im Rahmen des NoeSLIDE Projektes gibt es am Standort Hofermühle ein murfähiges Gerinne, dessen Nährgebiet in einem Rutschungsbereich hangaufwärts liegt und Material durch regelmäßige Rutschungsprozesse bereitgestellt wird.

Abbildung 3: Schematische Darstellung Mure (Quelle: Highland & Bobrowsky, 2008)

Literatur

Ahnert, F., 2009. Einführung in die Geomorphologie 4. Aufl., Stuttgart: Ulmer.

Glade, T. & Dikau, R., 2001. Gravitative Massenbewegungen - vom Naturereignis zur Naturkatastrophe. Petermanns Geographische Mitteilungen, 145(6), pp.42–53.

Highland, L. & Bobrowsky, P.T., 2008. The landslide handbook: a guide to understanding landslides, US Geological Survey Reston, VA, USA.